Goodbye und Auf Wiedersehen

Courtney Windham verlässt die Giants des TV Gladbeck. Der Liebe wegen zieht es sie ins bayerische Straubing, wo sie als Lehrerin arbeiten wird

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Die Kartons sind schon gepackt, Courtney Windham ist auf Abschiedstournee. Heute Abend sagt sie ihren Freunden aus dem Deutschunterricht „Tschüss“, am Wochenende steht ein letztes Treffen mit Andreas Packeisen und Jutta Hoppe von den Giants des TV Gladbeck an. Die Mittelblockerin aus Houston verlässt Gladbeck – es geht aber nicht zurück in die USA, sondern nach Süddeutschland. Das bayerische Straubing wird ihre neue Heimat.

„Ich freue mich auf Bayern. Es wird ein neues Kapitel in meinem Leben. Aber es fällt mir alles andere als leicht, Gladbeck zu verlassen“, sagt Windham. Die vergangenen zwei Jahre hat sie im Herzen des Ruhrgebiets gelebt, die Stadt schätzen und lieben gelernt. 

Jetzt ist es ihr Herz, das die 25-Jährige nach Bayern führt. Ihr Freund wird im elterlichen Betrieb arbeiten, Windham tritt im September eine Stelle als Lehrerin für Business English an. Angst vor der Zukunft hat sie keine, auch wenn sich eine Frage für sie zum ersten Mal stellt: „Bisher habe ich durch meinen Sport immer Freunde gefunden. In Straubing muss das anders klappen.“ 

Denn verletzungsbedingt wird sie in der kommenden Zeit erst einmal nicht auf dem Feld stehen. Probleme mit der Achillessehne, die sie bereits seit Januar plagen, zwingen sie zu einer Pause. Die zwei Jahre in Gladbeck werden ihr sicherlich in guter Erinnerung bleiben. 

Deutsche Küche genießen gelernt
„Das war das beste Team, in dem ich je gespielt habe. Es waren alle sehr nett“, verrät Windham. Und fügt an: „Ich einer perfekten Welt würde ich in Straubing wohnen und in Gladbeck spielen. Aber dafür bräuchte ich eine Zeitmaschine. Ein Wiedersehen mit den Teamkolleginnen ist aber fest geplant: „Zuletzt haben wir einen Mädelsausflug nach London gemacht, beim nächsten Mal soll es in die Sonne gehen.“

Aber nicht nur auf dem Feld hat sie sich wohl gefühlt. Die Enge des Ruhrgebiets hat Windham schätzen gelernt. Und vor allem die kulinarischen Genüsse. „Currywurst ist super und ich liebe den Erdbeerplunder“, gerät sie ins Schwärmen. „In den USA gibt es keine Bäckereien wie in Deutschland. Und überhaupt konnte ich hier so viele neue Sachen probieren.“

Dabei hatte sie durchaus Bedenken, als sie vor drei Jahren nach Straubing zog, wo sie für NawaRo Straubing ans Netz ging. Mittlerweile hat sich ihre Sicht verändert: „Als ich gekommen bin, hatte ich ein wenig Angst, in Europa zu leben. Ich fühle mich in Deutschland aber sehr sicher, und möchte hier nicht mehr weg.“

Dabei geholfen hat ihr sicherlich auch die Sprache, die sie mittlerweile sehr gut spricht. In der Schule hat sie auch einen Hauch Heimat gefunden. „Ich habe zwei Freunde aus Oklahoma und Kanada kennengelernt. Wir haben gegen die gleichen Probleme mit dem Leben, der Sprache und dem Partner in Deutschland gekämpft“, sagt sie lachend. 

Bayerisch auf dem Stundenplan
Was für Probleme das sind? „Hier gibt es so unglaublich viele Regeln. Wenn etwas erledigt werden muss, gibt es einen Weg. Der wird eingehalten“, sagt Windham, die das aber keinesfalls negativ meint und auf die kulturellen Unterscheide verweist. „In den USA ist es flexibler. Ob das besser oder schlechter ist, weiß ich nicht. Es ist einfach anders.“

Anders wird es auch in Straubing sein. Ihre Deutschkenntnisse, will sie um den bayerischen Dialekt erweitern. „Es ist eine kleine Stadt und wenn ich dort lebe, möchte ich mich auch mit den Menschen verständigen können“, sagt Windham. 

Man merkt es ihr an, dass es ihr nicht leicht fällt, Gladbeck zurückzulassen. Aber sie kündigt bereits ein Wiedersehen an. „Am liebsten, wenn Straubing in der Nähe Eishockey spielt, Schalke ein Heimspiel hat und die Giants zu Hause spielen“, schmunzelt Windham. Sie ist bestimmt ein gern gesehener Gast.

WAZ - 05.05.2017, Maximilian Lazar